„Ich suche die Menschen lieber vor Ort auf“

Datum:

Jens Wegener von der Märkischen Allgemeinen Zeitung hat mit mir ein Gespräch über meine ersten zweieinhalb Jahre im Landtag geführt. Den vollständigen Text dokumentiere ich hier:

Johannes Funke sitzt seit zweieinhalb Jahren im Brandenburger Landtag – zur Halbzeit der Wahlperiode sprach die MAZ mit dem SPD-Politiker über Ergebnisse in seinem Wahlkreis und seine Wünsche bis 2024.

Ketzin/Havel. Ganze 97 Stimmen trennten im September 2019 die beiden Direktkandidaten Dominik Kaufner (AfD) und Johannes Funke, der für die SPD antrat, bei der Brandenburger Landtagswahl. Funke bekam im Wahlkreis 5 (Ketzin/Havel, Wustermark, Brieselang, Nauen, Amt Friesack, Amt Nennhausen) 6949 Stimmen (25,3 Prozent) und gewann das Direktmandat. Jetzt ist die Hälfte der fünfjährigen Wahlperiode um. Grund genug für eine Zwischenbilanz, bezogen auf den Wahlkreis.

Sie haben Ihr Wahlkreisbüro in Ketzin/Havel in einem Landwirtschaftsbetrieb, der Marktfrüchte GmbH. Wann waren Sie das letzte Mal dort?

Johannes Funke: Ich bin sehr oft in Ketzin, auch in meinem Büro, aber ich suche die Menschen lieber vor Ort auf und höre mir die Sorgen, Nöte, Wünsche und Meinungen direkt an. Über die Kontakte meiner Internetseite sind mein Team und ich jederzeit zu erreichen.

Sie sind als Parteiloser für die SPD im Wahlkampf angetreten, inzwischen haben Sie das Parteibuch der SPD, sind Mitglied im Ortsverein Ketzin. Wie kam es dazu?

Es gab zwei Gründe: Ich will im Kern der Partei mitreden, bei den Themen, zu denen ich mich berufen fühle, ganz vorne natürlich die Agrarthemen. Zweitens schätze ich die Menschen sehr, die sich für ganz andere Dinge interessieren und in der Sache engagieren. Politik findet zu 90 Prozent im Ehrenamt statt.

Ihre Amtszeit begann, als Corona vieles lahmgelegt hat. Konnten Sie trotzdem in Ihrem Wahlkreis etwas bewegen?

Ich denke schon. Viele Anliegen von Bürgerinnen und Bürgern habe ich aufgenommen und versucht, ihre Fragen zu beantworten und Lösungen zu finden. Zum Beispiel beim Bau der Ortsdurchfahrten Wachow und Markee, beim Bau von Radwegen in Bamme, Etzin und Paretz, beim Umgang mit wilden Müllkippen, bei der Erleichterung der Schiffbarkeit von Kanälen in Ketzin/Havel mit Motorbooten oder bei der Beratung zu Anträgen von Lotto- und Fördermitteln. Bei alledem haben mir die guten Kontakte zu Bürgermeistern, Ortsvorstehern, zu den Kirchengemeinden und zur Lokalen Aktionsgruppe (LAG) sehr geholfen.

Sie haben sich sogar körperlich betätigt in Ihrem Wahlkreis…

Ja, gemeinsam mit Nauens Stadtförster Thomas Meyer haben wir zwei Baumpflanzungen im Nauener Stadtwald gemacht, um den Mischwaldbestand zu erweitern. In Ketzin/Havel habe ich bei Christian Dorfmann mal an der Kasse seines Edeka-Marktes gesessen und eine Stunde kassiert, um auf die Vermarktung regionaler Produkte aufmerksam zu machen. Der Erlös ging an den FSV Wachow/Tremmen. Eines meiner persönlichen Anliegen ist es zudem, das Gedenken an das frühere Konzentrationslager in Börnicke zu bewahren. Das Denkmal aus DDR-Zeiten muss dort erhalten und eine Publikation erstellt werden.

Das größte Projekt im Wahlkreis, bei dem Sie sich engagieren, ist die Wiederbelebung der Bahnstrecke Ketzin-Wustermark, oder?

Stimmt. Eine Bahnverbindung Ketzin-Wustermark ist zukunftsweisend und wegweisend für die Havelstadt Ketzin. Es ist mit der Fortschreibung des Landesnahverkehrsplans gerade in einer heißen Phase der Entscheidungen. Mit dem Zug kommt der Zuzug, kommt die weitere Entwicklung. Deshalb werbe ich dafür, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger weiter dafür starkmachen. Deshalb setze ich mich bei der Landesregierung für die Reaktivierung der Strecke und die Einrichtung eines Pendelverkehrs zwischen Ketzin und Wustermark ein.

Sie sind im Landtag bei der SPD der Sprecher für Religion, Kirchen und nicht zuletzt für Agrarpolitik. Zudem sind Sie seit 2015 der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Havelland. Können Sie beide Aufgaben noch unter einen Hut bekommen?

Sowohl mit dem Vorstand des Kreisbauernverbandes als auch mit meinem Team im Brandenburger Landtag bin ich von starken Leuten umgeben. So macht die Arbeit Freude, und dann darf es auch ein bisschen mehr sein.