Besuch Kloster Neuzelle

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Wenn man die Kirche des Klosterstifts Neuzelle betritt, könnte man fast glauben, man hätte sich auf dem weiten Weg hierher doch verfahren und wäre irgendwo in Bayern gelandet.

So viel barocke Pracht findet man in Brandenburg sonst nirgends. Bei einem Besuch am 16. Oktober 2020 mit meinen KollegInnen André Schaller (CDU) und Petra Budke (Bündnis 90/Die Grünen) wollten wir uns vor Ort anschauen und von den Mönchen des Klosterstifts erklären lassen, wo und wie das neue Kloster im nahegelegenen Treppeln entstehen soll.

Moment – ein neues Kloster ganz nah bei dem berühmten Kloster Neuzelle? Warum?

Einmal von Anfang an.

Das Zisterzienser-Kloster in Neuzelle wurde vor über 750 Jahren gebaut und dem Zisterzienserorden übergeben. 1817 ließ der preußische König Friedrich Wilhelm III. das Kloster aufheben, die Mönche mussten das Kloster verlassen. Seitdem gehört das Kloster nicht mehr dem Zisterzienserorden, sondern wird vom Staat verwaltet. Das heißt, Eigentümer der Klosteranlage ist heute das Land Brandenburg. Mittlerweile werden die Gebäude vielfältig genutzt: Durch die evangelische und katholische Kirche, ein Gymnasium, ein Museum, die Stiftsverwaltung, eine Musikschule, die Forstverwaltung und, und, und.

Ganz verschwunden sind die Mönche allerdings nicht: Heute leben wieder sechs Mönche in der alten Klosteranlage, konkret: im Pfarrhaus. Das ist verhältnismäßig wenig: Normalerweise besteht ein Zisterzienserkloster aus mindestens 12 Mönchen. Zwar haben die Mönche im Moment noch Platz genug zum Wohnen und für die meisten ihrer vielfältigen Aufgaben – wachsen kann die Gemeinschaft jedoch nicht. Auch fehlt der Platz für Gästezimmer, und das ist keineswegs nur ein nettes Extra: Es gehört zu den zentralen seelsorglichen Aufgaben von Klöstern, Gäste aufzunehmen.

Deshalb ist der Wunsch entstanden, ein neues Kloster zu bauen. Idealerweise sollte es sich in räumlicher Nähe zum Klosterstift Neuzelle befinden, aber trotzdem ausreichend abgeschieden sein, um Ruhe zu gewährleisten.

Die Wahl fiel auf das alte Forsthaus in Treppeln etwa 10 Kilometer entfernt. Was heute eine Ruine auf einem ziemlich großen Areal mitten im Wald ist, war noch zu DDR-Zeiten ein Erholungsort für ausgebrannte DDR-Funktionäre. Den Ort umgibt auch durchaus dunkle Geschichte, darauf weisen zum Beispiel die fensterlosen, zellenartigen Räume in einigen Kellern hin. Die ruinösen Gebäude müssen abgerissen werden, da sie zu verfallen und zudem voller gesundheitsschädlicher Baumaterialien sind. Mit dem Entwurf des neuen Klosterbaus ist die mexikanische Star-Architektin Tatiana Bilbao befasst.

Die Mönche aus Neuzelle verhandeln nun mit dem Land Brandenburg um den Kauf des Geländes. Ich unterstütze das Vorhaben mit ganzem Herzen und wünsche viel Erfolg!

Noch mehr Informationen über den Neubau des Klosters finden Sie auf der Webseite des Zisterzienserklosters Neuzelle: https://www.zisterzienserkloster-neuzelle.de/neubau/